Die Frage „Welches Objektiv ist das Beste für die Food-Fotografie?“ dürfte wohl nach „Welche Kamera ist die Beste?“ auf Platz zwei im Top-Ranking aller Fragen liegen. Während die Frage nach der passenden Kamera nicht ganz so einfach zu beantworten ist, ist die Frage nach einem passenden Objektiv schon besser zu beantworten. Der folgende Beitrag soll dir bei der Auswahl des richtigen Objektives helfen.

Welches Objektiv ist das Beste für die Food-Fotografie?

Um zu klären, welche Objektive sich am Besten für die Food-Fotografie eignen, müssen wir vorab klären, welchen Einsatzzweck das Objektiv überhaupt erfüllen muss. Gerade bei den Festbrennweiten ist die Flexibilität doch begrenzt. Bei Zoom-Objektiven scheitert es jedoch oft an der Lichtempfindlichkeit. Im Beitrag genannte Brennweiten beziehen sich immer auf das Kleinbild-Format (KB, oft „Vollformat“ genannt). Besitzt du eine APS-C oder mFT Kamera, so musst du die hier angegebenen Werte mit 1,5 (APS-C) oder 2 (mFT) multiplizieren.

Der Unterschied zwischen Zoom- und Festbrennweiten-Objektiv

Bei der Anschaffung eines Objektives solltest du dir als erstes über den Einsatzzweck Gedanken machen. Für die Food-Fotografie ist es wichtig, dass du weißt wieviel Platz du hast. Umso länger die Brennweite, desto mehr Abstand benötigst du zu deinem Motiv. Fotografierst du nur große Torten, so ist ein Objektiv mit langer Brennweite nicht unbedingt das Richtige für dich. Es wäre doch schade, wenn du dir ein tolles, teures Objektiv kaufst und dann merkst, dass du deine Motive gar nicht komplett aufs Bild bekommst.

Bei den Zoom-Objektiven ist es möglich, durch drehen am Objektiv, dass du die Brennweite ändern kannst. Die Brennweiten-Spanne gibt es in unzähligen Varianten. 16-35mm, 18-55mm. 24-70mm, 24-105mm, 10-18mm usw. Der Vorteil von Zoom-Objektiven liegt also darin, dass du deinen Abbildungsausschnitt ändern kannst, ohne dass du dich dafür vom Fleck bewegen musst. Für Unterwegs oder im Urlaub ist das eine tolle Möglichkeit. Von Canon gibt es z.B. das 24-70mm Objektiv (Werbelink) aus der L-Serie (extrem teuer). Dieses Objektiv wird oft in der Food-Fotografie benutzt und eignet sich ebenfalls als hervorragendes Objektiv für den Urlaub oder die Familienfeier.  Der Nachteil von Zoom-Objektiven ist die Lichtempfindlichkeit. Eine große Offenblende, also die Möglichkeit sehr viel Licht durchzulassen, ist meist nicht möglich oder nur zu einem sehr hohen Preis. Zoom-Objektive mit einer möglichen Offenblende von f2.8 sind schon sehr teuer (siehe 24-70mm L f2.8 von Canon). Viele Zoom-Objektive bewegen sich bei f4/5.6. Hier wirst du also in der Lichtempfindlichkeit eingeschränkt.

welches Objektiv ist das Beste für die food-fotografie?

welches Objektiv ist das Beste für die Foodfotografie?

Deshalb bevorzuge ich Objektive mit einer Festbrennweite. Hier ist es viel einfacher/ günstiger ein lichtstarkes Objektiv zu bauen. Natürlich sind Objektive mit einer Blende von f1.4 oder f1.8 in der Regel auch nicht geschenkt, aber um einiges günstiger als hochwertige Zoom-Objektive. Wenn du eine Canon Kamera besitzt, dann schaue dir unbedingt das 50mm/f1.8 Objektiv (Werbelink) an. Bei keinem anderen Kamerahersteller bekommst du so ein tolles Objektiv zu dem Preis. Das ist fast geschenkt. Ich habe gute 8 Jahre mit dem Objektiv fotografiert.

Der Nachteil der Festbrennweite ist, dass ich mich für eine Änderung des Bildausschnittes bewegen muss. Der sogenannte „Latschenzoom“ wird dann aktiv 🙂
Möchte ich meinen Bildausschnitt verändern, muss ich mich vor oder zurück bewegen. Ich habe mich recht schnell an den Prozess gewöhnt und fotografiere seit zwei Jahren nur noch mit Festbrennweiten. Auch unterwegs.

Welche Brennweite ist sinnvoll für die Food-Fotografie?

Kommen wir jetzt zu den Brennweiten. Welche Brennweite ist denn nun sinnvoll in der Food-Fotografie? Wenn du gerne Aufnahmen von größeren Szenen fotografierst wie z.B. komplett gedeckte Tische, dann könnte dir die Brennweite 35mm gefallen. Das Sigma 35mm/f1.4 ART (Werbelink) ist ein absolut fantastisches Objektiv. Gestochen scharfe Bilder, dafür aber sehr schwer. Wie alle Objektive von Sigma. Ich selber habe knapp ein Jahr damit fotografiert. Allerdings nur unterwegs. Keine Foodbilder, da ich keine großen Szenen fotografiere. Für kleinere Sets oder Nahaufnahmen eignen sich Brennweiten unter 50mm nicht so gut. Gehst du zu dicht an dein Motiv dran, kann es zu Verzerrungen kommen. Vielleicht hast du diesen Effekt schon einmal bei Portraitbildern beobachtet. Fotografierst du mit einer kurzen Brennweite und bist zu dich dran bekommt man ein „Pferdegesicht“. Das Gesicht zieht sich in die Länge.

Welches Objektiv ist das Beste für die food-fotografie?

Ein 24mm Objektiv im Abstand von ca. einem Meter zum Motiv

Deshalb gehen die interessanten, und gängigen, Brennweiten in der Food-Fotografie bei 50mm los. Die Bilder mit 50mm Brennweite werden von vielen Leuten als sehr angenehm empfunden. Oft liest man, dass die 50mm ungefähr der Sichtweise des menschlichen Auges entsprechen und wir sie deshalb so angenehm finden. Dass das nicht ganz korrekt ist, kannst du hier nachlesen, wenn du dich für die Physik dahinter interessierst. Objektive mit dieser Brennweite eignen sich sowohl für etwas größere Sets, sowie Abbildungen von kleineren Motiven, solange sie nicht zu klein sind.

Welches Objektiv ist das Beste für die food-fotografie?

Gleicher Abstand von einem Meter. Dieses Mal mit einem 50mm Objektiv an der Kamera

Klein aber fein – Macro-Objetive

Möchtest du gerne kleine Motive fotografieren wie Macarons, Kekse, kleine Früchte oder Nahaufnahmen, dann empfehle ich dir ein Objektiv mit einer Brennweite von 85-105mm und einer Makro-Funktion. Durch die lange Brennweite, werden die Bilder recht „eng“ und kleine Motive nehmen mehr Bildfläche ein. Das wiederum sorgt dafür, dass die ganzen tollen Details, die du von weiter weg vielleicht gar nicht registriert hättest, zur Geltung kommen. Auch größere Motive wie z.B. Torten können super mit einer Brennweite von 85-105mm abgelichtet werden. Vorausgesetzt, du hast die Möglichkeit zwei drei Meter Abstand zum Motiv zu schaffen.

Die Makro-Funktion ermöglicht es dir, sehr nah an das Motiv zu gelangen. Der Abstand ab dem eine Kamera nicht mehr fokussieren kann, da das Objektiv zu dicht an dem Motiv ist, variiert von Objektiv zu Objektiv. Objektive mit einer Makro-Funktion haben eine sehr kleine Nahgrenze. Dieses ermöglicht dir, tolle Detailaufnahmen, die du mit „normalen“ Objektiven nicht hinbekommen würdest.

Welches Objektiv ist das Beste für die food-fotografie?

Wieder ein Meter Abstand zum Motiv. Dieses Mal mit einem 105mm Objektiv

Anhand der drei Bilder wird deutlich, was für eine Auswirkung die Brennweite hat. Obwohl die Kamera jedes Mal den gleichen Abstand zum Motiv hatte, ist der Bildausschnitt von 24mm zu 105mm schon ein ziemlich großer Unterschied. Würdest du eine komplette Torte mit 105mm fotografieren wollen, müsstest du noch weitere 50 bis 100cm weiter zurück gehen um die ganze Torte aufs Bild zu bekommen. Das wären dann 1,5 bis 2 Meter. Mit einem 50mm Objektiv wäre es schon deutlich einfacher vom Abstand.

Fazit

Fassen wir noch einmal kurz zusammen, worauf du bei der Auswahl des richtigen Objektives achten solltest.

  • Einsatzzweck bestimmen. Soll das Objektiv nur für die Food-Fotografie sein oder auch für etwas anderes?
  • Überlege dir ob du ein Zoom-Objektiv benötigst und dafür auf Lichtstärke verzichten kannst oder ob du lieber mit Festbrennweiten arbeiten möchtest, dich dafür aber mehr bewegen musst um den Bildausschnitt zu ändern.
  • Überlege dir, welche Motive du am meisten fotografierst. Benötigst du eher kurze Brennweiten oder längere?
  • Fotografierst du gerne das große Ganze oder bist du eher detailverliebt?

Wenn du diese vier Fragen für dich beantwortet hast, solltest du wissen welches Objektiv für dich das Richtige ist. Jeder Hersteller bietet in jedem Brennweitenbereich, egal ob Zoom oder Festbrennweite, tolle Objektive an. Für was du dich am Ende entscheidest, entscheidet am Ende alleine dein Geschmack (und vielleicht dein Geldbeutel). Wenn du wissen möchtest mit welchen Objektiven ich arbeite, oder was sich sonst noch so alles benutze, dann schaue dir doch einmal meine Ausrüstung an.

Besitzt du bereits eins, oder mehrere Objektive? Dann lass mich doch in den Kommentaren wissen, mit welchen Objektiven du deine Bilder fotografierst.

Immer gutes Licht,

bis dann

Martin