Draußen wird es immer kühler und vor allem immer früher dunkel. Für Leute wie mich, die seit Jahren nur mit Tageslicht fotografieren, ist diese Jahreszeit immer besonders schwierig. Erst recht, wenn Auftraggeber auf Bilder warten. Immerhin ist die Tageslicht Fotografie ja kein Schönwetter-Geschäft. Wenn du bei schlechtem Wetter oder wenig Licht nicht weißt, wie du dein Bild besser beleuchtet bekommst, dann schau dir die folgenden 4 Tipps einmal genau an.

Ein gutes Bild besteht aus zwei Dingen. Licht und Schatten. Ohne Licht und Schatten wirkt ein Bild einfach nur platt. Die Schatten sind genauso wichtig wie das Licht. Eine Tatsache, für die ich ein paar Jahre gebraucht habe, um sie zu verstehen.

Dieses Bild ist in den letzten Minuten des Tages entstanden, bevor es dunkel wurde. Die Belichtungszeit beträgt 30 Sekunden

Tipp Nummer 1:

Fotografiere so nah wie möglich am Fenster. Mit jedem Zentimeter, den du weiter weg bist von deiner Lichtquelle, wird dein Bild dunkler. Die Helligkeit nimmt nicht linear ab, sondern exponentiell. D.h. der Lichtunterschied zwischen 10 und 20cm Abstand ist ein ganz anderer als zwischen 20 und 30cm. Verdoppelst du den Abstand, z.B. von 20cm auf 40cm, so verlierst du ganze 75% Licht. Du hast richtig gehört. 75%. Das ist eine ganze Menge. Vor allem im Winter. Also umso weniger Tageslicht du hast, desto wichtiger ist es, dass du so nah wie möglich an die Lichtquelle (das Fenster) kommst.

So sieht es oft bei mir aus. Direkt am Fenster. 1-2 Aufheller auf der Gegenseite. Wie du an dem Bild erkennst, ist es schon recht dunkel im Zimmer

Tipp Nummer 2:

Benutze Aufheller bzw. Abschatter. Aufheller und Abschatter werden dein Bild komplett verändern und in ein komplett neues Licht rücken. Ich nutze Styroporplatten für ein paar Euro aus dem Baumarkt. Eine Seite ist weiß, eine Seite habe ich schwarz angemalt. Möchte ich mehr Tiefe im Bild erzielen, also mehr Schatten/ dunkle Stellen einbauen, so stelle ich den Abschatter auf die gegenüberliegende Seite der Lichtquelle (also dein Tageslicht). Durch den Abschatter wird das Licht „geschluckt“ und es entstehen kräftigere/ dunklere Schatten und Bildbereiche. Der Abschatter kann aber auch auf der Fensterseite stehen um das komplette Licht zu blocken. Genau das Gegenteil erzielst du mit einem Aufheller. Gerade wenn tolle Highlights des Essens im Schatten liegen, hilft ein Aufheller auf der gegenüberliegenden Seite der Lichtquelle. Der Aufheller wirft das Licht zurück und beleuchtet zusätzlich das Essen von der Seite, die nicht im Licht liegt. Regelmäßig benutze ich auch beides zusammen in einem Bild, um unterschiedliche Bildbereiche hervorzuheben/ abzudunkeln.

Auf der Fensterseite den Abschatter zum Abdunkeln des Hintergrundes. Vorne rechts der Aufheller, um die passenden Highlights am Kuchen zu haben.

Tipp Nummer 3:

Wenn du Freihand fotografierst, stelle einen höheren ISO Wert ein. Irgendwann kommt der Punkt wo deine Blende F5.6 (oder eine andere) eine Belichtungszeit braucht, die unter 1/100 oder sogar 1/40 sek. liegt. Jetzt hast du 2 Möglichkeiten. Entweder öffnest du die Blende weiter (d.h. die Zahl wird kleiner. z. B. F2.8), was dazu führt, dass dein Schärfebereich kleiner wird. Oder du erhöhst den ISO Wert deiner Kamera, z. B. von ISO 100 auf 400. Jetzt kannst du wieder mit einer schnelleren Verschlusszeit fotografieren. Doch die Sache hat auch einen (gravierenden) Nachteil (je nach Kamera). Natürlich ist es kein Zaubermodus und alles bleibt beim alten. Umso höher der ISO Wert, desto größer wird das Bildrauschen. Dein Bild wird also „körnig“ und verliert an Qualität. Je nach Kameramodel geht das Rauschen früher oder später los und wirkt sich unterschiedlich stark aus. Das musst du also selber einmal testen. Für Bilder im Social Media Bereich und/ oder Blog, welche keiner hohen Auflösung bedürfen, kann idR auch mit einem höheren ISO Wert fotografiert werden. Als grobe Faustregel gilt: Belichtungszeit nicht kleiner als Brennweite. Fotografierst du also mit einem 105mm Objektiv, sollte die Belichtungszeit nicht unter 1/100sec sein.

Tipp Nummer 4:

Nutze ein Stativ. Wenn du ein Stativ besitzt, kannst du auch bei sehr schwachem Tageslicht noch ein tolles Ergebnis erzielen. Das funktioniert aber nur, solange du keine Aktion im Bild hast, wie z.B. Hände, rieselnder Puderzucker, Dampf oder sonstiges. Fotografierst du ein reines Stillleben, kannst du mit einer langen Belichtungszeit Bilder fotografieren, die du Freihand nie wackelfrei hinbekommen würdest. Wenn du kein Stativ besitzt, baue dir ein Stativ aus Stühlen, einem Tisch, Kartons o.ä. Sei kreativ. Lediglich overhead Aufnahmen, also Bilder direkt von oben, sind ohne Stativ nicht möglich. Alle anderen Winkel sind mit ein bisschen Kreativität und Bastelgeschick zu erreichen. Dann kannst du auch mit wenig Licht über mehrere Sekunden belichten. Deine Bilder schauen dann aus, wie tagsüber fotografiert.

Fazit

Mit diesen 4 simplen, aber sehr wirkungsvollen Tipps, kommst du in den dunklen Wintertagen besser über die Runden und kannst das vorhandene Tageslicht optimal nutzen. Solltest du noch mehr gute Gründe und Tipps und Tricks für die Tageslicht-Fotografie benötigen, dann schaue dir doch meinen ersten Artikel dazu einmal an.

Probiere es doch einmal aus und lass mich wissen, ob die Tipps dir geholfen haben.

Bis dahin,

immer gutes Licht
Martin