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Warum ich meine Bilder auf EyeEm verkaufe – und du es auch solltest!

In meinem ersten richtigen Beitrag möchte ich dir die Plattform EyeEm.com vorstellen. Es gibt viele Stock-Agenturen auf denen du die Nutzungsrechte deiner Bilder zum Kauf anbieten kannst. Warum ich ausgerechnet meine Bilder hauptsächlich auf EyeEm.com zum Kauf anbiete, erfährst du in diesem spannenden Blogbeitrag. Belegt mit Fakten und Erfahrungen von knapp einem Jahr.

EyeEm.com – der Marktplatz für alle, die keine Profis sind

EyeEm.com ist ein Berliner Start Up und vergleichbar mit Instagram. Nur nicht ganz so stylisch und mit einer Verkaufsplattform. Viele dort präsentierte Fotos werden mit dem Smartphone geschossen. Die Anforderungen um in den Marktplatz aufgenommen zu werden sind geringer als bei anderen Stock-Agenturen. Bei EyeEm kommt es nicht so sehr auf high quality und perfekt inszenierte Bilder an. Eher auf Kreativität, Spaß und Leidenschaft. Regelmäßige „Missionen“ (Wettbewerbe) mit namenhaften Partnern wie z.B. Audi sorgen dafür, dass du dich mit anderen messen kannst. Erwähnungen und Gewinne können deine Popularität schnell nach oben bringen. Das hilft bei den Verkäufen nicht, könnte dir aber Aufträge anderer Firmen einbringen.

Früher musstest du gelernter Fotograf sein um so etwas zu erreichen. Heute reicht ein Smartphone und deine Kreativität. Erstaunlich oder?

Meine ersten Versuche auf EyeEm.com

Ich fing an meine wirklich sehr simplen und mittelmäßigen Foodfotos auf EyeEm hochzuladen. An einen Erfolg habe ich ehrlich gesagt nicht geglaubt. Ein Fehler? Warum sollte jemand meine mittelmäßigen Bilder kaufen? Im Gegenzug sagte ich mir „Was habe ich zu verlieren?“ Nichts … also fing ich an.

Es waren 22 Bilder. Erstaunlicherweise schafften es alle davon in die Premium Collection. D.h. sie wurden an die Partneragenturen von EyeEm weitergeleitet. Dazu gehört auch Getty-Images.

Knapp drei Monate später erschien auf meinem Smartphone eine Nachricht „Herzlichen Glückwunsch, du hast ein Bild verkauf“. Was?? Ich?? Ein Bild verkauft?? Woohooo.
Der Moment war unbeschreiblich. Irgendwer hat wirklich Geld bezahlt für ein Bild, was ich produziert habe. Kein Profibild. Kein (in meinen Augen) perfektes Bild. Ein simples Bild von mir.

Die Ernüchterung folgte direkt als ich sah, was ich „verdient“ hatte. Mein Anteil belief sich auf 4$… Nach dem ersten kleinen Durchhänger sagte ich mir „Hey, da hat jemand über 8$ für ein Bild von mir bezahlt (einen Anteil behält Getty Images. Der Rest geht an EyeEm und die teilen 50/50 mit dem Fotografen).

Im nächsten Monat verkaufte ich zwei weitere Bilder. Diesmal war mein Anteil noch geringer. Sagenhafte 2$ pro Bild. Aber grundsätzlich funktionierte das System. Ich fing an nicht nur meine Foodfotos hochzuladen, sondern alles Mögliche was sich in meinen Augen verkaufen lies. In den EyeEm internen Marktplatz schaffen es ca. 90-95% meiner Bilder. Darüber verkaufe ich aktuell jedoch noch nichts. In die Premium-Collection schaffen es 55-60% meiner Bilder. Dreiviertel davon nimmt Getty auf (Getty darf entscheiden ob die empfohlenen Bilder passen oder nicht).

Bis meine Bilder bei Getty-Images gelistet werden, dauert es bis zu drei Monate. Eine Einschätzung von EyeEm dauert ebenfalls bis zu vier Wochen. Im schlimmsten Fall erscheinen meine Bilder erst nach vier Monaten bei Getty-Images.

Der Vorteil von EyeEm und Getty-Images gegenüber anderen Stockagenturen

Es gibt unzählige Stock-Agenturen da draußen. Also warum EyeEm? Das hat mehrere Gründe.
Erstens: EyeEm bietet einen eigenen internen Marktplatz an. Die Lizenzen gehen bei 20$ los. Der Anteil für den Fotografen liegt also bei 10$.
Zweitens: EyeEm arbeitet mit diversen Agenturen zusammen. Adobe Stock, Alamy und Getty Images. Shutterstock gehört seit kurzem auch dazu. Meine Bilder werden also über EyeEm an andere Agenturen weitergegeben. Das spart mir gewaltig viel Zeit. Einmal hochladen und dann bei vielen anderen Agenturen verfügbar sein.

Drittens: Ein Großteil der Nutzer (inkl. mir) erzielt seine Verkäufe über Getty-Images. Deren Preise pro Lizenz beginnen bei 50€ (oder etwas günstiger für Käufer mit Abos). Melde ich mich selbst bei Agenturen wie Shutterstock, Fotolia usw. an, bekomme ich ein paar Cent bis 3-4$ / Bild ausgezahlt. Bei Getty Images kosten große Lizenzen über 500€! Da verkaufe ich lieber zwei bis drei Mal im Jahr ein Bild bei Getty für 50-100€ Anteil, anstatt darauf zu hoffen, dass meine Bilder bei den großen Agenturen mehrere 100 mal im Jahr gekauft werden müssen.

Ich habe letzte Woche meine erste Lizenz bei Fotolia verkauft. Für 0,95€ … Kleinvieh macht auch Mist. Der große Haufen gefällt mir aber besser.

Geduld und Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Wie überall zeigt sich der Erfolg nur bei denen, die auch am Ball bleiben. Über die letzten Monate ging ich gezielt Fotografieren um Fotos für den Verkauf zu schießen.
Ein paar Monate verkaufte ich kein einziges Bild. Das lag an zwei Gründen.

Erstens: Es waren nur 22 Bilder von mir auf Getty gelistet. 22 Bilder unter mehreren Millionen. Da braucht es schon eine Portion Glück um genau das richtige Bild zu haben, was jemand sucht.
Zweitens: Unter den Foodfotos zählen meine Bilder nicht zur Profiklasse dazu.

Im März erschien erneut das PopUp auf meinem Telefon. Wieder wurde mir gratuliert. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment. Ich war beim Einkaufen und ging gerade aus dem Supermarkt als ich die Nachricht bekam. Mit der Erwartung weitere 2$ in meinem Account zu haben, öffnete ich die App um zu schauen wie viel ich verdient hatte. Als ich den Betrag sah, ging ein unbeschreibliches Gefühl durch meinen Körper. 61.94$ für ein Bild. D.h. irgendwer hat ca. 150$ (oder mehr?) für ein Bild von mir gezahlt.

Kennt ihr diese Szenen in Filmen wo sich Menschen über etwas freuen, egal wo sie gerade sind? Ich stand vor dem Supermarkt auf dem Fußweg, und freute mich wie ein kleines Kind über einen Lutscher. Die nächsten fünfzehn Minuten war ich vor Freude im Himmel.

Mein größter Erfolg

Einen Monat später im April 2017, bekam ein Bild von mir plötzlich mehrere „likes“. Meine Bilder bekommen in der Regel nicht mehr als sechs likes und die Anzahl der Follower lag bei knapp über dreizig. Ich wunderte mich, warum mein Bild so viele likes bekam. 10, 15, 20 und es wurden immer mehr. Einige Stunden später kam wieder das nette kleine Fenster, was mir mitteilte, dass ich ein Bild verkauft hätte. Dieses Mal fiel ich echt aus den Latschen. 98,49$ für ein einziges Bild! Ich habe ein Bild verkauft was insgesamt dem Käufer über 200$ gekostet hat. 200!! stell dir das einmal vor… Als Krönung habe ich ein weiteres Bild für knapp 10$ Anteil verkauft.

Am nächsten Tag las ich den monatlichen Blogartikel#EyeEmPaid: The Bestselling Photo Themes in April“. Und was durfte ich dort sehen/lesen? Mein Bild welches mir knapp 100$ brachte, gehörte zu den „Bestselling Photos in April„. Daher die ganzen likes und follower.

Jetzt war ich endgültig davon überzeugt, dass meine Bilder gut genug sind um damit Geld zu verdienen. Ich bin Realist genug um zu wissen, dass ich mit dem aktuellen Bilderbestand nicht jeden Monat 100$ oder mehr verdienen werde. Noch nicht. Aber die Idee und das System funktioniert. Dadurch bin ich so motiviert, weiterhin tolle Bilder zu produzieren und über EyeEm die Nutzungsrechte zum Verkauf anzubieten.

Mein EyeEm Profil

Ich schlage dir vor, dass du es mit deinen Bildern ebenfalls versuchst. Was hast du schon zu verlieren? Nichts! Und was kannst du gewinnen? Alles! Also worauf wartest du?

Immer gutes Licht,

Martin

17 Kommentare

  1. Hallo Martin,
    schön das du bei Eyem so einen Erfolg hast! Ich selbst verkaufe da (noch?) nicht. Das auch Eyem Partneragenturen hat, wundert mich nicht. Ist ja eigenentlich bei allen anderen auch so. Wenn du deine Bilder aber direkt z. B. bei Shutterstock hochlädst, musst du den Gewinn nicht mit zwei Agenturen teilen. Ich selbst mache es zumindest so.
    Dein Artikel regt mich aber zum nachdenken an. Vielleicht sollte ich es bei Eyem auch mal probieren 🙂
    Grüße
    Gabi

    • Martin sagt

      Hallo Gabi,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich kann jedem nur raten, sein Glück bei EyeEm zu versuchen.
      Was die Provision angeht, hast du sicherlich recht.
      Ich lade parallel auch noch bei Fotolia / Adobe Stock meine Bilder hoch.
      Dort habe ich in 3 Monaten ganze 0,95€ mit einem Bild verdient.
      Über Eyeem ist mein geringster Anteil 2$ gewesen.

      Bei vielen Stockagenturen bekommt man leider nur ein paar Cent für eine Lizenz. Mit Glück einmal 2-3$.
      Oder man hat Glück und arbeitet für Agenturen wie Westend61.

      Ansonsten teile ich gerne meine Provision mit 2 Agenturen, wenn am Ende Beträge zwischen 10-100$ für mich hängen bleiben.
      Zumal ich nicht die klassischen, gestellten Stockbilder fotografiere. EyeEm ist irgendwie „anders“. Für mich aber genau richtig. EyeEm könnte glaub ich richtig groß und gut werden und dann wäre ich gerne dabei. Ob das aufgeht weiß ich nicht.

      Gruß, Martin

    • Die eine perfekte Agentur gibt es nicht. Bei Shutterstock bekommst du dafür am Anfang nur 20% der Einnahmen und erst nachdem du $10.000 verdient hast, kommst du auf die höchste Stufe mit 30%. Dagegen bekommst du bei EyeEm von Anfang an immer 50% von allem, was EyeEm mit deinen Bildern einnimmt. Dazu kommt bei EyeEm ein deutlich höherer Durchschnittsbetrag pro Verkauf rüber.

      Beide Agenturen ergänzen sich bei mir auch ganz prima, weil sie sehr unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Bei EyeEm bekomme ich Bilder in den Verkauf, die bei Shutterstock wegen technischer Mängel abgelehnt würden. Andererseits akzeptiert Shutterstock auch größere Serien, wo EyeEm lieber auf die besten einzelnen Momente abzielt. Eine Agentur alleine würde mich also nie glücklich machen. 🙂

      LG, Michael

  2. Sehr interessanter Artikel und er deckt sich auch mit meinen Erfahrungen über EyeEm. Ich bin schon eine ganze Weile bei Fotolia und habe da über 200 Bilder im Portfolio. Da kommen monatlich so gute 20-40€ bei rum um Schnitt. Auf EyeEm hat meine erste Lizenz auch bereits 10$ gebracht. Ich habe bisher exklusiv bei Fotolia verkauft, werde aber diesen Status wohl auflösen und alle Bilder auch zu EyeEm rüberholen! Ich denke, dass sich das lohnen könnte.

    • Martin sagt

      Hallo Tobias,

      ich denke schon, dass es sich für dich lohnen würde. Ist zwar am Anfang eine Menge Arbeit 200 Bilder neu zu taggen aber ich würde darauf wetten, dass es sich lohnt.
      Also leg los und warte nicht zu lange 🙂

      Gruß, Martin

  3. Tdh sagt

    Wonderful article and enjoyed reading your journey Martin. Congrats again on the sales and making it to the best selling April theme 🌷🌷👌👏👏 Thanks for sharing!

    TDH

    • Martin sagt

      Hallo TDH,

      Thanks for your comment. Really appreciate it. I am excited how far my journey will take me.

      Regards,

      Martin

  4. Pingback: Foodfotografie - Roter Pfeffer - martinwillmannfotografie.de

  5. Wenn du für ein Bild bei Getty 100 ausbezahlt bekommst, dann hat der Kunde 400 dafür bezahlt!

    Getty und EyeEm machen 200/200
    Dann macht EyeEm mit dir
    100/100
    Weil sie 200 von Getty bekommen haben.

    Vom Market bekommst du 50% vom Kaufpreis.

    Da Getty und EyeEm aber auch halbe halbe machen bekommst du quasi ’nur‘ 25% vom Kaufpreis…

    • Martin sagt

      Hallo Christian,

      danke für deinen Kommentar. Kannst du das belegen? Soweit ich weiß, weiß niemand genau wie Getty und EyeEm sich den Betrag teilen. Es kann auch durchaus sein, dass Getty/EyeEM 60/40 oder 70/30 haben.

      Und nur einmal zum Vergleich. Ich habe gestern ein ähnliches Bild aus der Kuchenserie über Fotolia / Adobestock verkauft. Mein Anteil: 0,14€ …

      Sollen Getty und EyeEm teilen wie sie möchten. Solange ich bei „nur 25%“ noch 100€ bekomme, soll es mir recht sein.

      LG, Martin

  6. Pingback: Pasta, Pesto und das schlechte Wetter - Foodfotografie bei Regen

  7. Danke für Deinen Beitrag. Wird beim Verkauf eigentlich der Käufer genannt? So, dass man nachvollziehen kann, was mit dem Bild ggf. passiert?

    • Martin sagt

      Hallo Renee,

      Vielen Dank. Freut mich, wenn der Artikel dir geholfen hat.

      Wer eine Lizenz für deine Bilder erwirbt, wird nicht mit übermittelt. Lediglich auf welchem Marktplatz (EyeEm, Getty, Shutterstock usw.) dein Bild verkauft wurde wird dir mitgeteilt.

      Über den Preis der dir gezahlt wird kannst du erahnen, in welcher Auflösung dein Bild / die Lizenz verkauft wurde.

      Mit der Google Bildersuche ist es möglich einen Teil deiner Bilder zu finden. Ich habe bis jetzt lediglich ein Bild (das Coverbild von diesem Artikel hier) im Internet gefunden. So habe ich den Käufer und Verwendungszweck ermittelt. Bei allen anderen Verkäufen habe ich keine Ahnung was damit angestellt wurde.

      Soweit mir bekannt ist, erfährst du bei keiner Agentur wer oder wofür eine Lizenz von dir erworben wurde.

      Gruß, Martin

    • Martin sagt

      Hallo Christian,

      also auf EyeEm verschlagworte ich mit englischen Tags. Über Lightroom baue ich deutsche Tags mit in das Bild ein. Bei Getty tauchen meine Bilder mit englischen Titeln aber deutschen Schlagworten auf. Ich habe mal versucht bei EyeEm deutsche Tags zu benutzen aber da gab es zu den Schlagworten kaum Treffer. Deshalb habe ich es gelassen.

      „Richtige“ Stockfotografen verschlagworten ihre Bilder über Lightroom o.ä. sowohl in deutsch und in englisch, wurde mir mal gesagt. Das ist mir persönlich aber zu aufwendig.

  8. Guten Morgen Martin, ich freu mich total für dich, du du tollen Erfolg hast. Ich selbst habe erst vor 1 Woche angefangen. Jetzt habe eine Frage vielleicht kannst du mir da weiter helfen, das wäre Klasse, da du ja schon Verkäufererfahrung hast.
    Ein Bild wird markiert mit “Market„ . Dann muss ich ja ein kleines Formular mit meinen Daten ausfüllen. Wenn ich dieses Foto geschossen habe kann ich da dann auch anklicken dass das Foto mir gehört? Oder muss ich den Ort eingeben wo ich das Foto geschossen hab. Sorry die Frage aber da wäre mir lieber, die Meinung von einem Profi vorab….Danke vorab für deine Hilfe…. Gruss aus Bayern Petra

    • Hallo Petra,

      Das kommt darauf an, was verlangt wird. Geht es um erkennbare Personen, benötigst du deren Erlaubnis (sogenanntes Model release (MR))
      Geht es um Gebäude benötigst du ein property Release (PR))
      Also die Genehmigung vom Besitzer des Gebäudes/ Grundstückes.

      Poste doch mal den link zum Bild.

      Wenn du noch Fragen hast, einfach fragen.

      Gruß Martin

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